Pferdezuchtverein Rotenburg-Sottrum
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Geschehen im PZV Rotenburg-Sottrum

Mit knackigen Bewegungen

Axel Windelers Don Martillo ist in aller Munde. Der sechsjährige Don Juan de Hus-Benetton Dream-Sohn konnte im vergangenen Jahr den Weltmeistertitel der jungen Dressurpferde gewinnen. Bei der Privathengstschau in Verden erhielt er den Weltmeyer-Preis für Junghengste. Im Interview hat unser Vereinsmitglied Axel Windeler von seiner Zuchtstrategie, seinem Rückschlag und seinen Vorbildern erzählt.

Axel Windeler und Beautiful Lady I Axel Windeler ist stolz auf seine Zuchtstuten. Beautiful Lady I stammt von Benetton Dream-Royal Highness ab. Foto: R. Lienhop

 

Was war bisher dein größter züchterischer Einfall?

Don Juan de Hus für meine Benetton Dream-Stute Black Pearl auszuwählen. Ich hatte ihn bei der Körung in Westfalen gesehen. Dort hat er mich überwältigt, was Trab und Galopp betraf. Großes Glück war dann, dass er zu Ecki Wahlers auf die Station W.M. nach Reeßum kam. Dort standen ja auch meine Hengste Benetton Dream und Royal Classic. Also habe ich mir mal Samen mitbringen lassen für zwei Benetton Dream-Töchter. Eine hat leider resorbiert. Aus der anderen haben wir Don Martillo bekommen.

 

Den kann man auf jeden Fall als größten Erfolg bezeichnen...

Ja, aber auch als züchterischen Einfall. Don Juan wurde nicht übermäßig genutzt. Das liegt daran, dass er hier nur selten auf Hengstvorführungen zu sehen war. Ich sah ihn öfter, weil Benetton Dream und Don Juan häufig zeitgleich geritten wurden.

Und dann dachte ich mir, mit den beiden Benetton-Stuten, die einen sehr guten Schritt hatten, könnte das gut passen. Der Plan ging mal auf.

 

Begeisterst du dich mehr für Hengste oder für Stuten?

Für beides. Ich habe ja sehr viele Stuten. Wir haben vor zwei Jahren schon einmal von 20 auf 15 heruntergeschraubt. Nun sind es doch wieder 20, weil ich einige sehr interessante junge Stuten für Don Martillo hatte. Das wollten wir gerne ausnutzen. Es ist natürlich eine große Stutenherde, eine richtig gute. Das ist für mich das A und O. Die Hengste kann ja jeder wählen. Insofern bin ich schon sehr begeistert von meinen Stuten.

 

Eine deiner ersten Stuten war Wennings, die Ur-Ur-Großmutter von Don Martillo. Hast du bei ihrem Kauf schon gedacht, dass du einem ihrer Nachkommen mal auf der Weltmeisterschaft die Daumen drückst?

Nein, an so was habe ich noch gar nicht gedacht. Aber ich hatte schon gehofft, mal ein Pferd aus ihr beim Bundeschampionat zu haben. Das ging zur Zeit ihres Kaufes los mit den Bundeschampionaten. Am Anfang war das Glück bei dieser Stute aber nicht auf unserer Seite. Das erste Fohlen ist eingegangen. Dann habe ich zweimal Rubinstein angepaart. Die Fohlen trabten auch nicht so besonders. Daraufhin habe ich sie mit Matcho AA belegt. Daraus ging meine erste Schausiegerstute hervor, Mona Lisa. Nun war Mona Lisa durch ihren Vater ja sehr blutgeprägt. Daher musste ich die Stute wieder mit knackigen Bewegungen versehen. Meine Wahl fiel auf meinen damaligen Lieblingshengst Warkant. Eine Rappstute kam zur Welt, Wendy Forever. Sie war vom Typ geprägt von der Mutter Mona Lisa. Aber von den Bewegungen vom Vater beeinflusst.

 

In welchem Moment hast du dich dafür entschieden, hauptberuflich zu züchten?

Im Jahr 2000. Erst war ich gar nicht sicher, ob das gutgeht. Aber ich habe gedacht, ich mache es mal vorübergehend. Wir hatten vorher schon ein paar gute Verkaufserfolge, Windy’s Ass ging zum Beispiel für viel Geld nach Amerika. Damals habe ich noch einen anderen Beruf zur Hälfte ausgeübt. Das machte mir nicht so viel Spaß. Deswegen wollte ich meinen Stutenbestand verdoppeln und dachte, dann müsste es gehen. Aber rein rechnerisch kann man das auch nicht sehen. Man muss die guten Stuten und das Gefühl für sie haben. Und dann braucht man natürlich große Erfolge, Pferde, die preislich im guten sechsstelligen Bereich sind. Wenn wir ein paar Pferde im unteren bis mittleren fünfstelligen Bereich gehabt hätten, damit aber Schluss gewesen wäre, dann hätten wir das nicht so überstanden.

 

Worauf legst du dein züchterisches Augenmerk?

Ich habe immer darauf geachtet, dass sehr gute Bewegungen und Rittigkeit ins Spiel kamen. Wenn ich Stuten hatte, die Bewegungen nicht gut vererbt haben, habe ich das sehr krass verändert, sie also zu so einem bewegungsstarken Hengst gebracht, sodass was kommen musste. Klappte das nicht, wurden sie verkauft.

Wenn ich beispielsweise daran zurückdenke, dass Windrose einen außerordentlich guten Trab hatte, einen sehr guten Galopp und einen knappen Schritt, blicke ich auf ihren Ur-Ur-Ur-Enkel Benetton Dream. Diesen Schritt habe ich von ‚knapp’ zu einer 10 bei Benetton gezüchtet. An einem Manko arbeitete ich immer sehr intensiv und hoffte nicht „Och, das kommt schon.“

 

Was war der bisher härteste Rückschlag?

An großen Rückschläge hatten wir eigentlich nur einen: Royal Highness, der bei der Weltmeisterschaft Sechster wurde, hatten wir in sehr prominente Hände vorverkauft. Dann bekam er einen Hufspalt, der besser ausheilen sollte. In der Zeit des Ausheilens zog er sich eine Hinterhandverletzung zu, durch die er lahmte. Dieses Supergeschäft ist deswegen geplatzt. Als junges Pferd hatte er immer mit den Hinterbeinen gegen die Wand gekloppt. Das habe ich nicht ernst genug genommen. Später bauten wir da eine Gummimatte ein, sofort war es vorbei. Aber sein Knorpel war schon beschädigt. Zum Glück habe ich einige gute Stuten von Royal Highness bekommen, die mir große Freude bereiten. Von denen gibt es auch nicht so viele, weil er nicht viel gedeckt hat. Wir haben Royal Highness auch immer noch eingesetzt. Royal Classic stammt von ihm ab. Auch Royal Ascot ist ein Sohn von ihm, der startete im Nürnberger Burg Pokal. Royal Ascots Schwester Randy hat einen vierjährigen Rapphengst von Don Juan bekommen, der sich sehr gut entwickelt – der heißt Don Mateo. Unsere Stuten sind elegant und bewegungsstark. Das ergibt mit Don Juan eine sehr gute Paarung. Ich hoffe, dass Don Martillo das mal so weitermacht. Von ihm bekommen wir ja auch ein paar Fohlen.

 

Welcher Züchter ist für dich ein Vorbild?

Es gibt drei. Einer war Günter Pape. Der hatte tolle Stämme mit sehr guten Pedigrees. Dadurch hat er bewegungsstarke Pferde gezüchtet wie zum Beispiel Pik Bube. Nicht so bekannt ist Pik Trumpf. Das war eine andere Linie über Abglanz.

Dann hat mich auch Herr Jacobs geprägt. Obwohl ich mit dem keinen besonderen Kontakt hatte. Aber ich habe als Schüler immer auf dem Gestüt Fährhof gearbeitet. Dort verstand ich, dass ein gutes Management in der Pferdezucht sehr wichtig ist. Ein gutes und weitsichtiges Management.

Und dann habe ich neulich noch ein Vorbild getroffen, Baron Dietrich von Bötticher. Das ist der Gestütsherr von Gestüt Ammerland. Mehrere Derbysieger von der Hamburger Rennbahn stammen aus seiner Zucht. Außerdem konnten seine Pferde die wichtigsten Rennen in Europa gewinnen, darunter den Prix de l'Arc de Triomphe. Mit Baron von Bötticher führte ich ein interessantes Gespräch über Pferdezucht. Er hat das Rennpferd Borgia gezogen, nach dem unsere Vize-Bundeschampionesse benannt ist. Bötticher baut mit 75 Jahren gerade ein neues Gestüt auf. Dazu gehören 400 Hektar Weide- und Waldland. Er hat schon einen Stall mit 55 Boxen für Stuten umgebaut. Und er baut noch einen neuen mit 45 Boxen. Ich glaube, dass da noch eine ganze Menge passiert. Bei solchen Leuten ist mir vielleicht das Fingerspitzengefühl gegeben, mit ihnen mal zusammenzutreffen und einen Kontakt herzustellen.

 

Welche Ansätze aus der Vollblutzucht faszinieren dich?

Vollblutpferde kann man viel besser messen. Die werden eingeritten, bekommen einen Sattel auf, dann müssen die laufen – und möglichst gewinnen. Da entscheidet sich alles sehr viel schneller als in unserem Sport. Wenn ein Pferd in den unteren Klassen gut läuft, bekommt es schon einen besseren Jockey. Bemerkt der dann die Qualität, kommt das Pferd zu einem noch besseren Trainer. Schon geht es für das Pferd nach vorne. Bei uns besteht zwischen Hobbyreitern und Isabell Werth eine große Spanne, wie das Pferd geritten wird. Das merke ich jetzt auch bei uns im Stall. Ulrike Hatzl ist Pferdewirtschaftsmeisterin. Die weiß, was sie tut. Trotzdem bekommt sie Trainingsstunden, damit sie sich noch weiter entwickelt. Im Moment kommt Ann-Christin Wienkamp, die Don Martillo zum Weltmeistertitel gebracht hat, hier zweimal in der Woche her. Sie gibt Uli Unterricht und einen Plan für die Woche an die Hand. Ein solches Team braucht es, um die Pferde nach vorne zu bringen. Das eine ist die Zucht, da muss man die Pferde erkennen und dann müssen sie geritten werden.

 

Das Interview führte Ramona Lienhop.

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